Immergrüne Kletterpflanzen: die Fragen, die mir jede Woche gestellt werden
„Mein Nachbar baut ein Carport, ich brauche jetzt schnell einen Sichtschutz, der auch im Winter grün bleibt." Genau dieser Satz fällt in meinem Gartencenter-Vortrag fast jedes Mal, und fast jedes Mal folgt dieselbe Enttäuschung, wenn ich ehrlich antworte: Es gibt sie, die immergrünen Kletterpflanzen, die den Winter draußen überleben und gleichzeitig schnell wachsen und dann auch noch blühen. Es gibt nur nicht dieselbe Pflanze für alle vier Wünsche gleichzeitig.
Ich habe in den letzten Jahren über zwanzig verschiedene Sorten an drei Standorten gepflanzt: eine Nordwand, die praktisch nie direkte Sonne sieht, eine Südwest-Fassade, an der es im Sommer über 60 Grad am Mauerwerk werden, und ein Rankgitter am Carport eines Kunden. Einige haben mich begeistert. Zwei habe ich nach einem einzigen Winter wieder rausgerissen. Hier ist, was ich dabei gelernt habe.
Wichtige Erkenntnisse
- Efeu und Geißblatt gelten als die zuverlässigsten Immergrünen, sind aber nicht automatisch die richtigen für jede Wand.
- Selbstklimmer wie Efeu brauchen kein Rankgitter, aber bitte keine Wärmedämmfassade als Untergrund.
- Die Kombination „immergrün und winterhart und blühend" schränkt die Auswahl stark ein, löst sich aber mit dem richtigen Winterschutz.
- Wuchskraft und Standort passen zusammen oder gar nicht: Ein Schattenkünstler wird an der Südwand zur Dauerbaustelle.
- Die häufigste Ursache für einen erfrorenen Kletterstrauch ist nicht die Kälte, sondern ein zu trockener Boden im Winter.
Welche immergrüne Kletterpflanze ist wirklich winterhart?
Hier muss ich zuerst eine unangenehme Wahrheit loswerden: „Winterhart" und „immergrün" schließen sich bei Kletterpflanzen deutlich häufiger aus, als die Etiketten im Baumarkt suggerieren. Die berühmten Ausnahmen sind zwei Klassiker, die in fast jedem Ratgeber auftauchen und das aus gutem Grund tun.
Efeu: der robusteste Kandidat
Gemeiner Efeu (Hedera helix) hält in weiten Teilen Mitteleuropas problemlos Dauerfrost aus. Er ist ein Selbstklimmer — er braucht kein Rankgitter, sondern Haftwurzeln, die sich an Mauerwerk und Baumrinde festhalten.
Was in den üblichen Listen fehlt: Efeu wird an Fassaden mit Wärmedämmverbundsystem zum Problem, weil er in die Dämmschicht einwachsen kann. An einer alten Ziegelwand oder einem Betonzaun ist er dagegen die pflegeleichteste Option überhaupt. An meiner Nordwand hat er in drei Jahren eine Fläche von etwa vier Quadratmetern bedeckt, ganz ohne Dünger.
Geißblatt: schön, aber mit Haken
Das Immergrüne Geißblatt (Lonicera henryi) bleibt tatsächlich unter den meisten Bedingungen ganzjährig belaubt und blüht dazu im Frühsommer gelblich-rot. Der Haken: Es ist kein Selbstklimmer, sondern braucht eine Rankhilfe, und es wächst langsamer als Efeu. Wer in einer Region mit strengen Wintern unter minus 15 Grad gärtnert, sollte den Wurzelbereich mit Laub und Reisig abdecken.
Faustregel aus meiner Praxis: Efeu ab Zone 5, Geißblatt grenzwertig ab Zone 6 mit Schutz. Wer sicherer planen will, greift im Zweifel zur robusteren Art.
Immergrüne Kletterpflanze, schnellwachsend: was Sie erwarten dürfen
„Schnellwachsend" ist relativ, und genau hier werden die meisten enttäuscht. Niemand sollte sich einbilden, dass eine immergrüne Kletterpflanze in einer Saison eine komplette Carport-Wand dicht macht. Realistisch schafft eine kräftige Pflanze bei gutem Standort in einem Jahr zwischen 40 und 100 Zentimetern Zuwachs — bei Efeu an einer Nordwand durchaus mehr, bei manchen immergrünen Clematis deutlich weniger.
Ein Fehler, den ich selbst gemacht habe: Ich habe vor Jahren eine immergrüne Clematis an einen Südwest-Balkon gepflanzt in der Annahme, „Sonne gleich Wachstum". Sie hat nach einem trockenen Sommer die Blätter abgeworfen und sich erst im zweiten Jahr wieder gefangen. Immergrüne Clematis-Arten möchten es halbschattig und kühl am Fuß, sonst lassen sie schlapp.
| Pflanze | Wuchs pro Jahr | Rankhilfe nötig? | Blüte? | Standort |
|---|---|---|---|---|
| Efeu (Hedera helix) | 50–100 cm | Nein, Selbstklimmer | Keine nennenswerte | Schatten bis Halbschatten |
| Immergrünes Geißblatt (Lonicera henryi) | 40–80 cm | Ja | Gelblich-rot, Frühsommer | Halbschatten, geschützt |
| Immergrüne Clematis (z. B. armandii) | 30–60 cm | Ja | Weiß, früh | Halbschattig, kühler Fuß |
| Sternjasmin (Trachelospermum) | 30–50 cm | Ja | Cremeweiß, duftend | Geschützt, milde Lagen |
Wichtig: Sternjasmin ist in Regionen mit strengen Wintern nicht zuverlässig winterhart. Wer in einer kühleren Gegend gärtnert, sollte ihn lieber als Kübelpflanze halten und im Winter ins Haus holen.
Immergrüne Kletterpflanze winterhart, volle Sonne: geht das?
Ja, aber die Auswahl schrumpft deutlich. Die meisten immergrünen Kletterpflanzen kommen aus Waldstandorten und vertragen pralle Mittagssonne schlechter als man denkt.
Was an der Südwand funktioniert, ist vor allem das immergrüne Geißblatt — unter der Bedingung, dass der Wurzelballen beschattet bleibt. Am besten pflanzen Sie so, dass die Basis von einer niedrigen Staude oder einem Stein verdeckt wird. Efeu hingegen wird an Südwänden im Sommer oft von Spinnmilben befallen, weil es zu heiß und zu trocken wird. Bei mir hat sich gezeigt: Halbschatten ist für Efeu fast immer die bessere Wahl.
Was Sie praktisch tun können
- Ein bodennaher Stein oder eine Staude als Schattenspender für den Wurzelbereich
- Eine Mulchschicht aus Laub, die im Winter den Boden vor Frost schützt
- Regelmäßiges Wässern auch im Winter an frostfreien Tagen — der Grund, warum viele Pflanzen den Winter nicht überleben, ist Trockenstress bei gefrorenem Boden
- Kein Rückschnitt im Herbst; der gehört ins zeitige Frühjahr
Immergrüne Kletterpflanze, winterhart, ungiftig: worauf Sie achten sollten
Das ist die Frage, die Eltern und Hundebesitzer mir am häufigsten stellen, und hier muss ich ehrlich sein: Die ausgesprochen ungiftigen Immergrünen unter den Kletterpflanzen sind rar.
Efeu ist in allen Teilen giftig. Das gilt sowohl für Menschen als auch für Hunde und Katzen, und es ist keine Übertreibung. Wer also einen Garten hat, in dem kleine Kinder oder Tiere unbeaufsichtigt spielen, sollte Efeu nicht in Reichweite pflanzen.
Praktisch ungiftig und winterhart zugleich ist zum Beispiel der immergrüne Strauchmargeriten-Vertreter oder eine nicht blühende Kletterhortensie — sie ist zwar nicht immergrün, aber winterhart und ungiftig. Eine echte Lücke bleibt bei den kontinuierlich belaubten Arten.
Meine ehrliche Meinung: Wenn ungiftig die harte Bedingung ist, würde ich eher auf eine winterharte, aber laubabwerfende Kletterpflanze ausweichen und den Sichtschutz im Winter über andere Mittel lösen.
Häufige Fehler und wie Sie sie vermeiden
Fangen wir mit dem teuersten an.
Der falsche Untergrund. Wer einen Selbstklimmer an eine gedämmte Fassade setzt, wird den Bewuchs irgendwann wieder entfernen lassen müssen. Das kostet mehr, als die Pflanze je gekostet hat.
Die fehlende Rankhilfe. Nur weil auf dem Etikett „Kletterpflanze" steht, heißt das nicht, dass die Pflanze selbst klettert. Viele brauchen ein Rankgitter — und das muss stabil sein, denn eine ausgewachsene Pflanze wird schwer.
Die zu kleine Pflanzgrube. Ein Loch von 30 Zentimetern Kantenlänge ist für eine Pflanze, die zehn Jahre dort leben soll, schlicht nicht genug. Ich nehme mindestens das Doppelte.
Und die Wasserknappheit im Winter, die ich schon erwähnt habe. Gefrorener Boden nimmt kein Wasser auf, aber die immergrünen Blätter verdunsten auch bei Kälte weiter. Deshalb vor dem ersten Frost kräftig wässern.
Die eine Frage, die Sie sich vor dem Kauf stellen sollten
Bevor Sie eine immergrüne Kletterpflanze kaufen, sollten Sie nicht nach ihrem Aussehen entscheiden, sondern nach ihrem Standort. Wie viel Sonne bekommt die Stelle im Winter, wenn die umliegenden Bäume kahl sind? Wie ist der Boden, wie der Wind? Und vor allem: Was soll die Pflanze leisten? Ein schneller Sichtschutz an einer Nordwand ist eine andere Aufgabe als eine blühende Wand an der Südseite.
Wer diese drei Fragen ehrlich beantwortet, kommt fast immer zu einer Pflanze, die hält. Wer umgekehrt nach dem schönsten Bild im Katalog kauft, pflanzt oft ein zweites Mal.
Und wer mir jetzt sagt, er habe gedacht, immergrün bedeute, dass die Pflanze ohne jeden Aufwand das ganze Jahr wie im Juni aussieht — dem kann ich nur sagen: Ich habe das früher auch geglaubt. Nach zwei Wintern mit einem halb erfrorenen Sternjasmin weiß ich es besser.