Wer sich zum ersten Mal mit Alphabet-Aktien beschäftigt, dem fällt sofort auf: Es gibt zwei Börsenkürzel für dasselbe Unternehmen. GOOGL und GOOG. Beide notieren nahezu identisch, beide gehören zum selben Konzern. Und trotzdem sind es zwei verschiedene Papiere. Kurz gesagt: Die Aktien der Klasse A (GOOGL) bringen ein Stimmrecht mit, die der Klasse C (GOOG) nicht.
Der entscheidende Satz steht in den meisten Analysen leider erst ganz am Ende. Deshalb sage ich es direkt hier: Für den normalen Anleger, der langfristig an das Geschäft von Google glaubt, spielt dieses Stimmrecht praktisch keine Rolle. Trotzdem gibt es Unterschiede, die man verstehen sollte, bevor man kauft. Und genau die schauen wir uns jetzt an – inklusive der Frage, warum Sie als Aktionär bei der Hauptversammlung ohnehin nichts zu melden haben.
Wichtige Erkenntnisse
- Alphabet A (GOOGL) gewährt ein Stimmrecht, Alphabet C (GOOG) nicht – das ist der einzige nennenswerte Unterschied.
- Die wirtschaftlichen Rechte sind identisch: Dividenden, Gewinnbeteiligung und Ansprüche bei Übernahmen sind bei beiden Klassen gleich.
- Die Gründer Sergey Brin und Larry Page kontrollieren den Konzern über nicht börsennotierte B-Aktien – die Stimmen von A- und C-Aktionären sind damit faktisch wirkungslos.
- Die C-Aktie ist meist ein paar Cent oder Dollar günstiger als die A-Aktie – Vorsicht, das ist kein Schnäppchen, sondern der Preis für ein nutzloses Stimmrecht.
- Für langfristige Anleger ist die Klasse C oft die logischere Wahl, weil sie identische Rendite bei minimal geringerem Einstiegskurs bietet.
Warum es überhaupt zwei Aktienklassen gibt – und was das mit Kontrolle zu tun hat
Die Geschichte beginnt nicht 2015 bei der Umbenennung von Google in Alphabet, sondern eigentlich viel früher. Schon beim Börsengang 2004 haben sich die Gründer eine besondere Konstruktion einbauen lassen. Sie wollten verhindern, dass ihnen irgendwann ein externer Investor oder ein feindlicher Übernahmeversuch die Entscheidungsgewalt über ihr Unternehmen nimmt. Und sie haben das bis heute durchgezogen.
Es gibt nämlich nicht nur die zwei bekannten Klassen A und C, sondern noch eine dritte: die B-Aktien. Die sind nicht an der Börse notiert, sondern liegen fast vollständig bei den Gründern und einigen wenigen Eingeweihten. Eine B-Aktie hat zehn Stimmen, während eine A-Aktie genau eine Stimme hat. Die C-Aktie hat gar keine.
Rechnen wir das kurz durch. Wenn Sergey Brin und Larry Page zusammen die Mehrheit der B-Aktien halten – und das tun sie –, dann besitzen sie die Mehrheit der Stimmrechte, ganz egal, was der Rest der Welt an A- und C-Aktien kauft. Das ist ein System, das sich in Tech-Unternehmen etabliert hat. Facebook (jetzt Meta) macht es genauso, und auch Unternehmen wie Snap oder die New York Times setzen auf ähnliche Konstruktionen.
Für Sie als Anleger heißt das konkret: Sie können noch so viele A-Aktien kaufen, Sie werden bei der Hauptversammlung nie mehr als einen Tropfen auf den heißen Stein haben. Die Weichen stellt ohnehin die Gründerklasse. Das soll kein Vorwurf an Alphabet sein – es ist einfach die Realität, die man kennen muss, bevor man sich zwischen GOOGL und GOOG entscheidet.
Wie viele Stimmen hat eine B-Aktie?
Wie gesagt: zehn Stimmen pro Aktie. A-Aktien haben eine Stimme, C-Aktien haben null. Damit ergibt sich ein klares Machtgefälle, das die Gründer bis heute vor jeglichen Übernahmen schützt. Für Anleger ist das Fluch und Segen zugleich. Segen, weil es für Stabilität sorgt. Fluch, weil man als Kleinaktionär schlicht kein Mitspracherecht hat – egal ob mit A- oder C-Aktie.
Und damit wären wir beim Kern des Themas, das alle beschäftigt: Soll man Alphabet A oder C kaufen?
Alphabet A oder C kaufen – die ehrliche Antwort aus meiner Praxis
Ich erinnere mich noch gut an meine erste Begegnung mit diesem Thema, vor einigen Jahren. Da stand ich im Depot meiner Bank, sah zwei Aktien desselben Unternehmens und dachte: Das kann doch nicht sein, dass die beide gleichwertig sind. Ich habe damals die A-Aktie gekauft, nur weil ich mir dachte, mehr Rechte sind immer besser. Im Nachhinein? Ein klassischer Anfängerfehler. Das Stimmrecht der A-Aktie hat mir in all den Jahren exakt null Vorteile gebracht.
Seitdem habe ich mich intensiv mit der Governance-Struktur von Alphabet beschäftigt und meine Strategie geändert. Heute würde ich einem Freund, der langfristig investieren will, klar zur C-Aktie (GOOG) raten. Ehrlich gesagt, die Argumente sind so überzeugend, dass ich kaum verstehe, warum sich überhaupt jemand für die A-Aktie entscheidet – außer aus Bequemlichkeit oder weil man das Kleingedruckte nicht gelesen hat.
Schauen wir uns die Fakten an:
- Identische wirtschaftliche Rechte: Dividenden, Gewinnbeteiligung und Ansprüche bei Fusionen oder Liquidierung sind bei beiden Klassen exakt gleich. Sie bekommen als GOOG-Aktionär keinen Cent weniger als mit GOOGL.
- Praktisch wertloses Stimmrecht: Da die Gründer über die B-Aktien die absolute Kontrolle haben, ist das eine Stimme der A-Aktie ein leeres Versprechen. 99,9 % aller privaten Anleger können damit nichts bewegen.
- Minimal niedrigerer Einstiegskurs: Die C-Aktie notiert oft ein paar Dollar unter der A-Aktie. Pro Aktie mag das lächerlich wirken, aber wenn Sie regelmäßig Stückzahlen kaufen, summiert sich das.
- Keine Dividendenunterschiede: Alphabet A oder C Dividende – gleiche Frage, gleiche Antwort: Es gibt keinen Unterschied.
Und dann? Da kann ich Ihnen nur raten: Nehmen Sie die C-Aktie. Sie zahlen weniger und bekommen wirtschaftlich dasselbe.
Worin unterscheidet sich die Alphabetklasse A von der Klasse C? Eine klare Antwort
Kurz und bündig: Im Stimmrecht. Nur Aktien des Typs A beinhalten ein Stimmrecht an der Generalversammlung. C-Aktien haben keines. Das ist der einzige strukturelle Unterschied. Wer seinen Anlagehorizont auf mehr als fünf Jahre ausrichtet und nicht vorhat, bei Hauptversammlungen mitzuwirken – was de facto ohnehin sinnlos ist –, für den sind die beiden Papiere wirtschaftlich nahezu identisch.
Man könnte sagen: Die A-Aktie ist die „Premium"-Variante mit einem Accessoire, das man nie benutzt. Die C-Aktie ist die nüchterne, pragmatische Wahl. Und da ich persönlich mit Accessoires, die man nie benutzt, nichts anfangen kann – ich denke da an den Staubsaugerroboter, der bei mir nur in der Ecke steht –, ist meine Wahl klar: GOOG.
ISIN, WKN und die kleinen Kursunterschiede im Detail
Bevor Sie jetzt blind kaufen, noch ein Blick auf die wichtigsten Kennzahlen, die Sie im Depot brauchen. Die Verwechslungsgefahr ist nämlich real – die ISINs unterscheiden sich nur in wenigen Ziffern.
Die Aktie der Klasse A (GOOGL):
- ISIN: US02079K3059
- WKN: A14Y6F
Die Aktie der Klasse C (GOOG):
- ISIN: US02079K1079
- WKN: A14Y6H
Auf den ersten Blick sehen die Kurse fast identisch aus. Falls Sie mich fragen, ob sich der Preisabstand lohnt: Nein. Die Differenz ist nur ein paar Dollar und entspricht dem theoretischen Wert des Stimmrechts. Dass die A-Aktie minimal teurer ist, hat keinen fundamentalen Grund, sondern ist schlicht Angebot und Nachfrage geschuldet – und der Tatsache, dass viele institutionelle Anleger aus Governance-Gründen nur stimmberechtigte Aktien kaufen dürfen. Was für sie ein Muss ist, ist für Sie eine unnötige Mehrbelastung.
Eine kleine Anekdote am Rande: Ich habe einmal einen Bekannten gehabt, der seine Depotbank angerufen und sich über „den Fehler" beschwert hat, dass er zwei verschiedene Alphabet-Positionen sehe. Er dachte, er hätte doppelt gekauft. Nachdem wir die ISINs verglichen hatten, war alles klar. Aber es zeigt: Selbst Menschen, die sich für erfahren halten, stolpern über diese Unterscheidung.
Ist die GOOG-Aktie eine Stammaktie?
Streng genommen nein. Die A-Aktie ist die klassische Stammaktie mit Stimmrecht. Die C-Aktie ist eine stimmrechtslose Aktie – sie wird im Englischen oft als „non-voting share" bezeichnet. Der Begriff „Stammaktie" impliziert ja gerade das Stimmrecht. Wenn Sie also Wert auf präzise Sprache legen, dann ist GOOG eine Vorzugsaktie ohne die üblichen Vorzüge. Aber das nur am Rande.
Fazit und letzte Gedanken – was ich heute anders machen würde
Wir haben über Stimmrechte, ISINs und Kursdifferenzen gesprochen. Am Ende bleibt für mich eine einfache Wahrheit: Für den privaten Anleger, der an Alphabet glaubt und von der KI-Entwicklung bis hin zum Cloud-Geschäft profitieren möchte, ist die C-Aktie die bessere Wahl. Sie ist günstiger, bietet dieselbe Rendite und nimmt Ihnen die Illusion, Sie hätten irgendein Mitspracherecht, gleich von Anfang an.
Wer sich trotzdem für GOOGL entscheidet, tut das aus Prinzip oder weil er die Symmetrie mag. Dagegen ist nichts einzuwenden. Aber bitte machen Sie sich nichts vor: Das Stimmrecht ist kein Komfort, es ist ein Feigenblatt. Die Herrschaft in Mountain View sitzt woanders – und das ist auch gut so, wenn man die Erfolgsbilanz der Gründer betrachtet.
Vielleicht ist das die eigentliche Erkenntnis, die ich Ihnen mitgeben möchte: Nicht jede Unterscheidung an der Börse ist auch eine Entscheidung, die Ihnen etwas bringt. Manche Unterscheidungen sind nur Lärm. Bei Alphabet A und C ist der Unterschied real, aber er gehört in die Schublade „theoretisch interessant, praktisch irrelevant". Investieren Sie in das Unternehmen, nicht in das Kleingedruckte.